Montag, 28. November 2011

Ma steckt halt net drin in die Leut ...

19:45 Uhr.
Die Weiberwirtschaft, Halle an der Saale, hatte eingeladen.
"Wir haben natürlich nicht den Verteiler wie andere. Dabei stand es in der Zeitung. Und die Leute hier kommen alle sehr knapp, meistens fünf Minuten zu spät."
19:51 Uhr.
"Einen Buchhändler? Nein, wir haben keinen bestellt. Der hat mit dem Weihnachtsgeschäft zu tun, er hat keine Leute. Nein, Ihre Bücher hat er auch nicht im Laden. Aber wenn man sie bestellt, bekommt man sie am nächsten Tag. Nein, hier in unserer Bibliothek steht auch noch kein Krimi von Ihnen."
19:59 Uhr.
"Ich weiß auch nicht, warum auch gar niemand vom Verein da ist. Naja, heute wird der Weihnachtsmarkt eröffnet. Aber ich habe vorhin extra noch der WG über uns Bescheid gesagt. Eine wollte wohl kommen."
20:08 Uhr.
"Hm. Muss es auch jetzt gerade anfangen zu regnen!"
20:19 Uhr.
"Tja, das tut mir jetzt leid ... Ich verstehe das wirklich nicht."


(500 km hin, 500 km zurück. Gut, dass sie sowieso auch keinen Buchhändler bestellt hatten.)

Freitag, 25. November 2011

Arbeitsgeschichten

Meine Freundin Andrea Berthel - Illusionsmalerin - erzählt:


"Sia - moachns dös beruaflich?"
Hinter mir steht ein in die Jahre gekommener bayerischer Teppichverleger, dessen gewaltiger Bierbauch wie ein Medizinball vor seinem Körper hängt.
"ää... ja, ich bin Wandmalerin."
"Lüftlmoalerin?"
"So ähnlich, Wandmalerin"
Nur unzureichend von meiner Antwort befriedigt zieht er ab. Wie kann der denn Bodenbeläge in den Ecken verlegen - da passt er doch gar nicht hinein mit seinem Abstandhalter.
"Sia - ...!"
"Ja-a?" Ich spüle meinen diminuitiven Rundpinsel aus. Eine halbe Stunde ist vergangen.
"verdianens doamit denn?"
"Das ist mein Beruf und ich verdiene damit Geld!"
"Sinds denn a verhoirat?"
"Ja, ich habe einen Mann und drei Kinder!"
"AA!" Erleichterung erhellt sein Gesicht. Seine Welt ist wieder in Ordnung "dann moachns dös als Hobby!"
Es ist 23 Uhr, nachdenklich betrachte ich meine 12 Meter Toskana mit den kleinen Dörfern, vernebelten Zypressen, dem perspektivisch in den Hintergrund führenden Weg ... Hobby!
Seitdem arbeite ich nach streng geregelten Zeiten: um 17 Uhr höre ich auf zu arbeiten und widme mich nur noch meinem Hobby, dem Malen.


Mittwoch, 23. November 2011

Totensteige - Der neue Lisa-Nerz-Krimi

"Die Welt ist nicht friedlicher geworden, sondern wahnsinnig."


Totensteige
Ariadne, Februar 2012

Kalt liegt die Wasserburg Kalteneck zwischen Bauernhöfen nicht weit von Stuttgart. Schwabenreporterin Lisa Nerz war mit Geisterjägern im Schloss Ludwigsburg und will sich den Spuk im Parapsychologischen Institut in Holzgerlingen erklären lassen. Leider liegt Prof. Dr. Gabriel Rosenfeld tot in seinem Büro, bewacht von zwei Frauen, der Sekretärin Desirée und der stellvertretenden Institutsleiterin Derya Barzani. Drei Tage später wird der Malergeselle Juri Katzenjacob verhaftet. Und dann geschehen sehr seltsame und unheimliche Dinge. Kann Katzenjacob mit Geisteskraft Flugzeuge abstürzen lassen und Unglücke hervorrufen?
     Es spukt im Nerz'schen System und bald ist die halbe Welt infiziert. Lisa Nerz und Richard Weber jagen zusammen mit der schönen Derya Barzani und dem schottischen Psi-Professor Finley McPierson ein Phantom durch Schottland bis auf die Hebrideninsel Iona und werden dann selbst zu Gejagten. Ein perfides System von Halbwahrheiten übernimmt die Herrschaft. Werden Lisa und Richard den Spuk stoppen können? Und wie weit müssen sie gehen? Denn wenn nicht: Wo würde es enden?

Der neue Lisa-Nerz-Krimi erscheint Ende Februar 2012.

Premierenlesung Sonntag den 25. März 11 Uhr, Gespenster-Brunch
im Takinu, Schlosserstraße 2, Stuttgart
im Rahmen der Stuttgarter Kriminächte von Under-Cover



Montag, 21. November 2011

Fünf Minuten ...

... jeweils für Christine Lehmann, Monika Geier, Eva Klingler, Wolfgang Burger, Petra Busch und andere bei der langen Ludwigshafener Kriminacht. Die Eieruhr lief unerbittlich. Alle waren schneller, nur eine nicht. Mit dem letzten Punkt bimmelte die Uhr.

Malefizkrott, S. 315:
"... Er zielte mir ins Gesicht wie ein Soldat der Spezialkräfte, nicht über die Augen, denn hinter der Stirn war ja nur Gehirn." - BRrrrrRrRr!

Der Schuss fiel nicht, es klingelte der Wecker. So haben die Pfälzer Lisa Nerz das Leben gerettet. Hätt ma au net denkt, gell.
 
Und Angela Esser, Sprecherin des Syndikats, und Moderatorin des Abends hat Tobias Gohlis zitiert::
"... ein Buch, das den Jurys der KrimiWelt-Bestenliste wie des Deutschen Krimipreises leider entgangen ist. Ein mitreißendes Buch und eine frotzelige Literatursatire – nicht nur zum Regionalkrimi, sondern auch zu Frank Schätzings umschwärmtem Schwarm, dem Lehmann allemal das Wasser reichen kann." welt.de
 

Freitag, 18. November 2011

Alles wunderbar so!

"Hm, sehr schön ..."
"Wir haben gedacht, an dem Bistrotisch, da sind Sie etwas erhöht."
"Wunderbar. Allerdings, dieser Hocker ... anderthalb Stunden im Halbsitzen ... hm."
"Manche lesen lieber im Stehen. Da trägt der Ton besser. Man hat Stütze!"
"Ja, das stimmt. Ich lese allerdings lieber im Sitzen. An einem Tisch." 
"Aber so geht es doch auch, oder? Wasser kommt gleich. Brauchen Sie sonst noch was, ein Mikro?" (Wir lassen den Blick über die fünfzehn Hanseln schweifen.)
"Nein. Aber Licht! Ich bräuchte etwas Licht zum Vorlesen."
"Ach, so, ja ...? Wir könnten noch dieses Licht hier anmachen. So besser?"
"Die Scheinwerfer blenden ziemlich. Hätten Sie vielleicht doch ein Lämpchen. Ich brauche Licht auf meinen Buchseiten?"
"Ja ... äh ..." (Leichte Panik in seinen Augen.) "In meinem Büro hätte ich eine Tischlampe, aber ..."
"Wunderbar! Hm ... bisschen niedrig der Hocker. Ich stoße mit der Nase direkt aufs Buch."
"Wir dachten halt, Sie lesen lieber im Stehen!"

Da knallt die Glühbirne im Leselämpchen. Kurzschluss. Licht aus.


Mittwoch, 16. November 2011

Ich hab da mal eine Frage

"Ich habe da mal eine Frage. Ich schreibe nämlich auch gerade einen Krimi."
"Schön."
"Ja, und da wollte ich wissen, welchen Verlag Sie empfehlen können."
"Sind Sie denn schon fertig?
"Also, die ersten beiden Kapitel habe ich schon. Und der Plot steht. Ich muss das Ganze jetzt nur noch schreiben."
"Hm, da haben Sie ja noch ein ganzes Stück Arbeit vor sich."
"Würden Sie es sich vielleicht einmal ansehen ... wenn es fertig ist. Sie könnten mir sicher ein paar nützliche Tipps geben."
"Ja, klar. Melden Sie sich bei mir, wenn Sie soweit sind. Auf meiner Internetseite können Sie meine Gebührenordnung sehen."

Von dem Herrn habe ich nie wieder was gehört.


Dienstag, 15. November 2011

Fünf Minuten


Krimis 

vorgelesen unter anderem von Christine Lehmann, Monika Geier und Ingrid Noll

bei der Ludwigshafener Kriminacht am Samstag den
19. November, 19.30 Uhr,
Im Theater Pfalzbau Ludwigshafen, Konzertsaal

Ludwigshafener Kriminacht

Montag, 14. November 2011

Das Ziel ist der Weg


"Warum schreiben Sie?"
"Weil ich anders nicht neben einen Ministerpräsidenten zu stehen komme. In diesem Fall sogar darüber."


Malefizkrott

Samstag, 12. November 2011

Leserinnenbeteiligung - Die Abstimmung

Der Krimikiosk auf Facebook hat den neuen Umfragemodus genutzt, um die Frage zu stellen, welche Krimiautorin für die Leserinnen und Leser die Krimiautorin des Jahres 2011 ist. Ich hoffe, die Abstimmung kommt richtig in Gang.

Zur Umfrage

Die Krimis gibt's alle zu kaufen oder zu bestellen bei:

Donnerstag, 10. November 2011

Musst du unbedingt lesen!

"Also ich habe kürzlich einen ganz tollen Krimi gelesen! Kann ich dringend empfehlen. Da geht es um einen alternden Kommissar, der sich in eine junge Frau verliebt ... klingt jetzt etwas banal, aber das ist wirklich toll geschrieben. Da wird eine Leiche gefunden, grausam hingerichtet, und dann ist da noch ein dubioser Anwalt, der in einen Bauskandal verwickelt ist. Sehr spannend. Und der Plot ... also man ist nicht überrascht, aber wie der Kommissar am Ende darauf kommt ... Also, den musst du unbedingt mal lesen."
"Hm."
"Ich leih dir das Buch gerne aus, wenn es dich interessiert."
"Hm, ja."
"Eigentlich müsstest du ihn kennen, den Autor. Der hat schon mehrere Krimis geschrieben."
"Ja, hm."
"Ich habe früher auch schon mal was von ihm gelesen. Da ist auch jemand ermordet worden und dann hat ... na ja, ich erinnere mich jetzt nicht mehr so genau. Aber DAS sind wirklich mal gute Krimis."
"Ja."



Dienstag, 8. November 2011

Erkennungsdienst

"Ach, Sie schreiben Krimis?"
"Ja."
"Oh, ich muss gestehen, ich habe leider noch nichts von Ihnen gelesen."
"Müssen Sie auch nicht."
"Würde ich aber gerne. Doch, das interessiert mich WIRKLICH. Wie heißen Sie denn?"

Ich sollte mal aufräumen und wegschmeißen. Oder daraus eine Sammlung machen.
Es steht auf der Kippe.

Samstag, 5. November 2011

Das Private ist politisch

schreibt Elfriede Müller für Europolar über die Krimiautorin Christine Lehmann

Romane über das männliche Unvermögen und die Lust am Tod

„Aber ich war sowieso immer falsch, das gibt einem eine gewisse Sicherheit.“ 

Lisa Nerz, die queere Journalistin und Heldin der bei Ariadne verlegten Hardboiledromane von Christine Lehmann, ist das Gegenmodell zu Emma Bovary, Béatrix und anderen Frauenfiguren aus der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, mit denen sich die Autorin wissenschaftlich beschäftigte, bevor sie als Schriftstellerin tätig wurde. Christine Lehmann ist vielseitig: sie schreibt Kriminalromane, Liebesromane für Jugendliche, Romane schlechthin, feministische Artikel für Das Argument, Hörspiele, ein Handbuch für Krimiautorinnen und neuerdings bringt sie Lisa Nerz ans Theater. Ihr Roman Der Bernsteinfischer von 2000 wurde 2005 verfilmt. Der erste Lisa Nerz Roman Vergeltung am Degerloch erschien 1997, zunächst bei Rowohlt wie die nächsten beiden auch, und liest sich, als sei er aus den 80er Jahren. Die feministische Zeitschrift Amazone, für die Lisa schreibt, erinnert stark an die Anfänge von Emma oder Courage. Der im Vergleich zu den folgenden Lisa-Nerz-Fällen konfuse Text legt die Grundlagen für das weitere Erfolgsmodell: intelligenter Feminismus, Gesellschaftskritik, Witz, guter Sex, unfähige staatliche Institutionen, geschliffener Stil und große Charaktere. 
...  Dass Lisa Nerz und Richard Weber Kunstfiguren sind, die fast schon an Cyborgs erinnern und im wahren Leben sicher nie zusammengefunden hätten (auch weil es sie leider nicht gibt!), macht die Romane umso realistischer. Die beiden Biographien fügen sich im Fluss der Literatur zusammen und vor allem deshalb macht es Sinn, die Romane in chronologischer Reihenfolge zu lesen. Die einzelnen Plots tragen sich allein, aber die Subjekte entfalten sich in ihrer Komplexität erst im Zuge der Ereignisse.


EUROPOLAR ist international, internationalistisch (aus Überzeugung) und kritisch (wir empfehlen nicht unbedingt die Titel aus den Bestsellerlisten). EUROPOLAR ist multikulturell. Die Arbeit unserer Übersetzer und Übersetzerinnen ermöglicht es, Sprachbarrieren zu überwinden und die Mehrzahl der Artikel in allen fünf Sprachen zu lesen. Zum Beispiel: El libro como arma (Malefizkrott)