Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator Update cookies preferences Christine Lehmann - Autorin: Parapsychologie
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Donnerstag, 21. Juni 2012

Die Ohnmacht der Weltverschwörung

Es ist in diesem Krimi, Totensteige,  nie wirklich um Parapsychologie gegangen, sondern immer und von Anfang an um den Spuk der Medien. Es geht darum, was Journalisten ohne böse Absichten mit der Wahrheit machen, wie sie sie verkennen, verbiegen und zum Geldverdienen einsetzen. Auch Journalisten kennen die Wahrheit nicht, aber sie kennen viele Leute, die ihnen ihre Wahrheit erklären und sich dabei zuweilen zu Fachleuten auf Gebieten aufwerfen, in denen sie nicht Bescheid wissen. Die Unmenge Wissen, die uns zur Verfügung steht, schafft Glaubende, weil niemand mehr beurteilen kann, von welchen Interessen dieses Wissen zu welchen Zwecken zur Gewissheit erklärt wird. In Totensteige geht es um den missionarischen Eifer derer, die glauben, sie kennten die Wahrheit. Ein Eifer, der seit jeher tödlich ist. Es geht um das Wechselspiel zwischen Medien und Rezipienten. Die einen liefern Skandalisierungen, die anderen wollen sie und machen mit. Aus dem Schmetterlingsflügelschlag kleiner Ungenauigkeiten und Lügen im Journalismus wird plötzlich ein globaler Orkan, an dem sich alle beteiligen. Und nicht einmal die Weltverschwörung (in Gestalt der Wartegg-Konferenz) ist hier Antreiber und Täter, sondern selbst die wird getrieben von den Fiktionen, die von den Medien in selbstorganisierenden Prozessen zu Wahrheiten erklärt werden und urplötzlich eine drastische Lösung verlangen. (Christine Lehmann)

Krimi-Couch / Leserunde 12/IV Totensteige
Totensteige - der zehnte Lisa-Nerz-Krimi

Dienstag, 24. April 2012

Das Ende des furiosen Thrillers tröstet

"Heute mal mit einer Betrachtung zu Christine Lehmanns neuestem Buch Totensteige, das nicht nur wegen seines kolossalen Umfangs ein anhaltendes Nachdenken und Vergnügen bereitet." So beginnt die Krimilady  Henny Hidden ihre fulminante Rezension. 

"Wer sich sofort umdreht und ausspeit, wenn er von Parapsychologie und dem ganzen Spuk hört, wird nie das Herzklopfen spüren, wenn sich Tische heben und sich Verblichene aus dem Totenreich melden. Er wird nie an seiner Geisteskraft zweifeln und wird es nie bereuen. Dabei kann eine Grenze zu überschreiten durchaus Vergnügen bereiten. Ohne Opferbereitschaft keine Grenzerfahrung." (...)
"Gemäß dem italienischen Filmtitel „Knallt das Monster auf die Titelseite“ müssen Nerz und Weber ohnmächtig erdulden, dass sie zu Getriebenen werden, die ihre Entscheidungsfähigkeit einbüßen. Von außen als German Angst klassifiziert, von innen als ausgeprägtes Sicherheitsdenken beschworen, eint sich ein Volk bei der Teufelsaustreibung. Ein Volk, das sich gerne auf seinen Couchen fläzt, und sich nebenbei gesagt intellektuell am meisten bei Whodunnit Krimis herausgefordert fühlt, will die Wirklichkeit weder mit unwägbaren Konflikten noch mit unwägbaren Gespenstern ertragen. Sollen es doch die Politiker richten. Und sie richten es auch. (Dass den politischen Zauberlehrlingen jedoch bei ihrer Götzenanbetung kein irdischer Meister helfen kann, steht auf einem anderen Blatt.) Im Roman wird es ein Weltlenkungsausschuss sein, der die aufkeimende Angst der Politiker vor dem Aufstand der Massen mindern soll, indem er so tut, als ob er etwas tut."  

Henny Hiddens Fazit: 
"Christine Lehmanns Krimi ist ein Mammutbuch mit starken thrillermäßigen Elementen, das sich durchaus für eine Verfilmung anbietet. An der Autorin gefällt mir ihre unbändige Lust am Fabulieren, ich bewundere, wie sie eine wendungsstarke Handlung mit intellektuellen Fragestellungen zu verzahnen versteht, und immer wieder begeistert sie mich mit ihren detailverliebt ausgemalten Szenen."
Henny Hidden, Die Krimilady

Mittwoch, 28. März 2012

Kriminetz fragt Christine Lehmann


Kriminetz:
 In „Totensteige“ geraten Lisa und ihr Lebensabschnittsirrtum Richard Weber in die Welt der Parapsychologie. Wie bist du auf dieses Thema aufmerksam geworden und hast du im Rahmen deiner Recherche zu „Totensteige“ an einer „Geistersitzung“ teilgenommen?

Lehmann: Das Thema lag in der Luft. Es ist mir einfach eingefallen. Ich habe aber seit meiner Kindheit Beziehung dazu. Beispielsweise kannte ich Hans Bender, den damaligen Leiter des Freiburger Instituts für Parapsychologie. Meine Eltern haben zum Spaß Tischrücken veranstaltet. Mir war aber damals schon klar, dass dabei nicht ein Geist zu uns spricht, sondern dass wir die Antworten mit unbewussten Muskelbewegungen in einem sich selbst organisierenden System selbst produzieren. Und im Krimi „Totensteige“ geht es eigentlich um das Ringen von Rationalität und irrationalen Ängsten, mit denen die Medien ihre Geschäfte betreiben, wobei sie – und das sehe ich als reale Gefahr – unsere eigentlich aufgeklärten westlichen Gesellschaften an den Abgrund treiben. Es ist eben wie ein Spuk.
Das ganze Interview geführt von Claudia Schmid.