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Donnerstag, 31. Oktober 2013

Vom Spuk im Buch

und der Grenzsituation beim Schreiben. Davon ist in meiner Antwort auf Gerhard Mayers Besprechung der Totensteige in der Zeitschrift für Anomalistik die Rede. 

Wir erinnern uns, die Totensteige handelte von Psi-Phänomenen und Pressewahnsinn. Das m IGPP in Freiburg hatte mich zu einem Kolloquium eingeladen und den Krimi in der Zeitschrift für Anomalistik vorgestellt. "Von der Schwierigkeit, über Geister zu schreiben", so lautete der Titel von Gerhard Mayer. Er fand mein Buch etwas zu gelehrt.

Ich habe ihm geantwortet und auch dies wurde jetzt in der Zeitschrift für Anomalistik veröffentlicht. Ich spüre den unerklärlichen Phänomenen des kreativen Prozesses nach, die zuweilen etwas von Psi haben.  Die Totensteige war in dieser Hinsicht ein ziemlich spukiges Buch mit etlichen seltsamen Zufällen.

Hier: Mein Artikel von mir (Zeitschrift für Anomalistik) (Genaue Literaturangabe, siehe im Link: Die Liste unter Aufsätze und Artikel.)

Hier noch mal: Der Aufsatz von Gerhard Mayer

Montag, 22. April 2013

Der soziokulturelle Tod - Wer liest, ist woanders

Britta Hasler hat mich und auf ihre wunderschöne und kluge Rezension meiner Totensteige bei
Amazon hingewiesen. "Ich muss allerdings sagen", schreibt sie mir, "dass diese Rezi nicht mal ansatzweise ausdrückt, wie toll ich das Buch wirklich fand. Ehrlich, Christine, ich bin fix und fertig. Dein Schreibstil haut mich völlig um und diese Story wird mir noch lange nachgehen. So einen Eindruck hat schon ganz lange kein Buch mehr bei mir hinterlassen."

Vielen Dank, Britta. Ich freue mich. 

Hier ein Auszug aus der Rezension:

" ... Christine Lehmanns Schreibstil ist einzigartig. Sie umwebt eine schnoddrige, kratzbürstige und herrlich unbürgerliche Hauptfigur mit derart feiner, subtiler Stimmung, in der kein einziges Wort verloren geht. Ich habe selten Bücher gelesen, bei denen die Hautfigur derart plastisch in den Fordergrund tritt, derart lebendig wird. Schwabenreporterin Lisa Nerz ermittelt in "Die Totensteige" in einem Fall von globaler PSI-Hysterie, angeheizt von den Medien. Und mit dieser vierten Macht im Staat rechnet die Autorin scharfzüngig, tiefgründig und geradezu sezierend ab. Das Buch ist eine Parabel darauf, dass es niemals im Sinne der Medien ist, Menschen politisch mündig zu machen und aufzuklären, sondern lediglich ein Thema von hohem Unterhaltungswert eskalieren zu lassen. So stellt sich am Ende auch die Frage, was schlimmer ist: Ein durchgeknallter Mörder oder ein Weltreich aus gedruckter Lüge und ein Netz aus Manipulation ..." Britta Hasler

Mittwoch, 9. Januar 2013

Die Schwierigkeit, über Geister zu schreiben

So titelt der Psychologe, Soziologe und Rezeptionswissenschaftler am IGPP in Freiburg, Dr. Gerhard Mayer seinen Aufsatz für die Zeitschrift für Anomalistik, in dem er sich auch der Totensteige widmet.

"Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich die ‚schöne‘ Literatur außergewöhnlicher Erfahrungen und parapsychologischer Phänomene bedient, um sie als besondere Würze in den Plot einzubauen", beginnt Mayer seine Analyse, die mit dem Hinweise endet: "Ein wichtiger Aspekt ist die schon erwähnte Medienkritik, die mit dem Fortgang der Lektüre zunehmend in den Mittelpunkt rückt. Es geht um die Logik der Massenmedien und die von ihr erzeugten ‚spukhaften‘ Realitäten, die trotz fehlender faktischer Fundierung in höchstem Grade wirkmächtig und faktengenerierend werden."

Literatur lebt von Rissen und Brüchen im Alltäglichen und von Grenzsituationen, fährt Mayer fort: "Außergewöhnliche paranormale Erfahrungen werden zumeist ebenfalls als in ähnlicher Weise den Alltagsrahmen sprengend und existenziell bedeutsam erlebt. Mit der Möglichkeit des bislang nicht hinreichend Erklärbaren und Deutungsoffenen erfährt die Welt eine (Wieder-)Verzauberung, auf die manche Autorin und mancher Autor nicht verzichten möchte. Dass allerdings parapsychologische Forschung zentral in den Fokus einer Romanhandlung rückt, kommt selten vor. Wenn dies so explizit geschieht wie in dem Kriminalroman Totensteige von Christine Lehmann, dann darf ihm in einer inhaltlich so breit und interdisziplinär angelegten wissenschaftlichen Fachzeitschrift wie der Zeitschrift für Anomalistik durchaus etwas Aufmerksamkeit geschenkt werden."

Mayer konstatiert, es gebe kaum einen prominenten Bereich der Anomalistik, der im Lauf des Krimis nicht zumindest kurz erwähnt wird, und er identifiziert auch das, was ich nur andeute. Seine Aufzählung ist in einer Rezension einmalig und beeindruckend:

"Dabei werden manche Dinge unverhüllt und direkt genannt, andere leicht verschleiert oder verändert – je nachdem, welch große Bedeutung sie für den Plot haben. Man erfährt unter anderem über die Spukuntersuchungen zum „Chopper“-Fall, über ‚Reinkarnationsfälle‘ (Reincarnation Type Cases) in der Türkei, das „Project Stargate“, die „Gesichter von Bélmez“, das sowjetische PK-Medium Nina Kulagina, den ‚Löffelbieger‘ Uri Geller, Experimente mit Wünschelruten, über PK-Experimente mit der „Schmidt-Maschine“, den Decline-Effekt, die Rolle der Statistik für die parapsychologische Forschung, den „Voodoo- Tod“ (psychogener Tod), den Vampir-Mythos, über außergewöhnliche Tierwahrnehmung, die jüngsten Prä- bzw. Retrokognitionsexperimente von Daryl Bem samt gescheiterten Replikationsversuchen, PK-Sittergroup-Experimente nach der Methode von Batcheldor sowie über den Einsatz des holländischen Hellsehers Gérard Croiset bei der Fahndung nach den Entführern von Hanns Martin Schleyer im Jahr 1977 in Kooperation mit dem IGPP in Freiburg. Der vom Skeptiker James Randi ausgeschriebene Preis von 1.000.000 Dollar für den Nachweis einer Anomalie, die einer wissenschaftlichen Prüfung zweifelsfrei standhält, wird leicht abgeändert in einen 1.000.000-Euro-Preis für den gleichen Nachweis, aber mit anderem Ziel und Stifter."

Mayer befindet, es sei mir sogar gelungen, das nicht ganz einfache Modell der Pragmatischen Information von Walter von Lucadou  "ganz griffig" darzustellen. Ob die lexikalische Sammlung zum Thema Psi allerdings dem Krimi so gut tut, zieht Mayer in Zweifel, wobei er mir jedoch "insgesamt eine ordentliche Recherchetätigkeit" bescheinigt und konstatiert: 

"Der Leser bekommt einen verständlichen Eindruck von manchen Problemlagen einzelner Teilgebiete parapsychologischer Forschung vermittelt, soweit dies im Rahmen eines solchen Buches möglich ist."

Herzlichen Dank an Dr. Gerhard Mayer für seine Würdigung meiner Arbeit.



Donnerstag, 29. November 2012

Lisa Nerz auf der Wüsten Welle

Sehr versteckt im Wald liegt das Studio des Freien Radios Wüste Welle, das für Tübingen und Reutlingen sendet. Ich war zum zweiten Mal zum Interview eingeladen, diesmal mit meinem Krimi "Totensteige". Das Interview führte Elvira Stecher

"Christen Lehman spricht über die Rolle der Protagonistin und erläutert hierbei den Aspekt des Feminismus im 21. Jahrhunderts", heißt es auf der Magazin Seite der Wüsten Welle. " So sei es das männliche Geschlecht, das die Themen bestimmt. Totensteige ist jedoch ein vielschichtiges Lesevergnügen, in dem Politik und ihre Beziehung zu Medien berücksichtigt werden. Außerdem stellt sich die Frage nach Identität. Im Gespräch mit Elvira geht die Autorin und Journalistin auf diese und viele weitere Punkte ein.
Zum Schluss verrät sie, warum ihr Krimithriller in das Genre Roman passt und was überhaupt ein erfolgreicher Krimi ausmacht."
Zur Wüsten Welle und zum Podcast des Interviews in voller Länge, aber ohne die Musik.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Er spinnt sich im Leben fort

Die imaginative Kraft einer Christine Lehmann ist strahlender denn je. Als kürzlich Francois Hollande zum Antrittsbesuch bei Frau Merkel abhob und sein Flugzeug vom Blitz getroffen wurde, blitzte in meinem Kopf kurz eine lächelnde Lisa auf. Als der Virus „Flame“ die mediale Runde machte, war der – im Roman sterbende – Computerhacker in meinem Kopf, Obama ohnehin.
Lehmanns Text schafft etwas, was nur wenige Texte schaffen: Er spinnt sich in meinem Leben fort. Die kritischen Töne zu Medienhype, Hysterie und falschem Zauber wirken nach. Nein, „Totensteige“ ist nicht behäbig – auch nicht im Kontext der Serie – der Roman ist klug komponiert, exakt getaktet und eine glaubhafte Weiterentwicklung der Figur Lisa Nerz. (Ludger Menke - Krimiblog - in Facebook)

Totensteige - der zehnte Lisa-Nerz-Krimi, Argument/Ariadne, 2012
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Mittwoch, 15. August 2012

Ein Feuerwerk der Fabulierkunst


schreibt Jürgen Priester auf/in der Krimi-Couch. Er hat Totensteige rezensiert. Nein, nicht rezensiert, gelobt, bejubelt und sein Lob auch noch klug verteilt. Mehr kann ich mir als Autorin nicht wünschen. Ich lehne mich gemütlich zurück in der Couch und genieße. (Lisa Nerz triumphiert ganz und gar nicht ladylike.)

"Man könnte Christine Lehmanns 10. Folge ihrer Lisa-Nerz-Reihe ohne weiteres als ihr bisheriges Opus magnum bezeichnen. Magnum nicht allein wegen seines, im Vergleich zu den Vorgängern, stolzen Umfangs von 537 Seiten. Die Autorin hat halt viel zu erzählen und davon ist – das sei schon mal vorausgeschickt – nicht eine einzige Zeile langweilig", schreibt Jürgen Priester und endet:

"Der Rezensent hat sich seine "über 90°- Bewertungen für ganz besondere, außergewöhnliche Romane vorbehalten; Totensteige ist einer davon.Was Christine Lehmann hier auf über fünfhundert Seiten zelebriert, ist wahre Fabulierkunst. Man spürt in jeder Metapher, jedem Satz, jeder Szene, dass sie wohl durchdacht, aber spontan entstanden sind. In der Leserunde zu Totensteige im Krimi-Couch-Forum (Link – s.u.) verriet die Autorin ihr Geheimnis:
      »Jawoll! Ich schreibe mit Ernst und Leidenschaft, aberauch immer mit einem riesigen Lachen im Hintergrund.«
      Diese Eigenschaften spürt der Leser nicht nur, sie werden auch auf ihn übertragen. Fasziniert erlebt man mit, wie die Autorin die Spirale des Wahnsinns immer höher schraubt, bis sie in einem finalen Ultimatum endet.
      Dieser vielseitige Plot, der auf verschiedenen Ebenen dargeboten wird, sucht in der deutschen Kriminalliteratur seinesgleichen. Hier paaren sich Wissen, Fantasie und Inspiration mit Humor und Sprachgewalt. Mit Totensteige hat Christine Lehmann sich und ihrer Heldin ein Denkmal gesetzt."

Die ganze Rezension auf der Krimi-Couch

Donnerstag, 28. Juni 2012

Ohne Herz, ergo tot ...

Jule Blum hat für den Lesbenring die Totensteige besprochen. Es ist nicht die erste begeisterte Rezension, die sie über einen meiner Krimis mit Lisa Nerz geschrieben hat. Sie stellt fess, dass der erste Teil von Totensteige, der als gewöhnlicher und gemütlicher Locked Room Krimi daher kommt, sich allmählich zu einem Thriller wandelt, bei dem es am Ende um den Kampf geistiger Mächte geht - aber dies auch wieder ganz anders - als erwartet. Ihre Rezension endet mit einem Lob, das mich freut:

"Nun, Lehmann ist gut. Sie ist so gut, dass selbst hartgesottenen SkeptikerInnen parapsychologischen Hokuspokusses ein ums andere Mal leise Zweifel durchschleichen – wäre es nicht vielleicht doch möglich, dass… Die 537 Seiten verfliegen auf jeden Fall auf unheimlichste Art und Weise, mit ihnen die Zeit, die urplötzlich Löcher von mehreren Stunden Länge aufweisen kann. Beweis genug, dass Christine Lehmann neben ihrem unnachahmlichen Erzähltalent wohl auch noch im Besitz von Fähigkeiten ist, über deren Existenz frau bisher eigentlich nicht einmal nachdenken wollte."

Donnerstag, 21. Juni 2012

Die Ohnmacht der Weltverschwörung

Es ist in diesem Krimi, Totensteige,  nie wirklich um Parapsychologie gegangen, sondern immer und von Anfang an um den Spuk der Medien. Es geht darum, was Journalisten ohne böse Absichten mit der Wahrheit machen, wie sie sie verkennen, verbiegen und zum Geldverdienen einsetzen. Auch Journalisten kennen die Wahrheit nicht, aber sie kennen viele Leute, die ihnen ihre Wahrheit erklären und sich dabei zuweilen zu Fachleuten auf Gebieten aufwerfen, in denen sie nicht Bescheid wissen. Die Unmenge Wissen, die uns zur Verfügung steht, schafft Glaubende, weil niemand mehr beurteilen kann, von welchen Interessen dieses Wissen zu welchen Zwecken zur Gewissheit erklärt wird. In Totensteige geht es um den missionarischen Eifer derer, die glauben, sie kennten die Wahrheit. Ein Eifer, der seit jeher tödlich ist. Es geht um das Wechselspiel zwischen Medien und Rezipienten. Die einen liefern Skandalisierungen, die anderen wollen sie und machen mit. Aus dem Schmetterlingsflügelschlag kleiner Ungenauigkeiten und Lügen im Journalismus wird plötzlich ein globaler Orkan, an dem sich alle beteiligen. Und nicht einmal die Weltverschwörung (in Gestalt der Wartegg-Konferenz) ist hier Antreiber und Täter, sondern selbst die wird getrieben von den Fiktionen, die von den Medien in selbstorganisierenden Prozessen zu Wahrheiten erklärt werden und urplötzlich eine drastische Lösung verlangen. (Christine Lehmann)

Krimi-Couch / Leserunde 12/IV Totensteige
Totensteige - der zehnte Lisa-Nerz-Krimi

Mittwoch, 20. Juni 2012

Lisa trifft Angela


"Vielschichtig und hellsichtig, kritisch, salopp und handfest ist Christine Lehmanns neuer Roman, in dem sie ein schwieriges Thema so unterhaltsam, wie scharfsinnig meistert."

So endet Frank RumpelBesprechung von Totensteige in SWR 2 Die Buchkritik am 19.6.2012 um 14:55 Uhr.

Der Krimi gefällt ihm offenbar. Rumpel geht die Reise von Lisa und Richard von Holzgerlingen und dem verschlossenen Zimmer mit der grausligen Leiche über Schottland, Hamburg und Berlin bis in die Schweiz mit, wo eine von mir erfundene Geheimkonferenz Politiker und Industrielle Gedanken über den Lauf er Welt machen. Diese Konferenz ist allerdings von mir nicht erfunden, sie reflektiert eine andere Konferenz, die ich hier nicht nenne, die ähnlich im Halbverborgenen abläuft wie die von mir in diesem Schlösschen in Rorschach  in der Tat erfundene Wartegg-Konferenz.

"Das ist bei Lehmann zwar alles gnadenlos überzeichnet, aber eben auch klasse recherchiert, klug weitergedacht und gut erfunden. Die Stuttgarter Autorin lässt in ihrem bisher gewichtigsten Krimi aber auch einiges an ihre Figuren heran. Lisas Freund Richard Weber hat eine Affäre mit der attraktiven Derya. So kommt die schnoddrige, bisexuelle Nerz emotional ins Wanken, muss sich und ihre Rolle, auch die als Journalistin, hinterfragen, darf dafür aber auf der Konferenz am Bodensee mit Barack Obama und der Bundeskanzlerin plaudern." Frank Rumpel

Hören und Lesen hier: SWR 2 Die Buckritik,  19.6.2012, 14:55
oder auf Podcast.de


Dienstag, 19. Juni 2012

Unter Geisterjägern

titelt Kirsten Reimers im KulturMag ihre Rezension von "Totensteige". 


" ... Nichtsdestotrotz ist der Roman faszinierend, fesselnd und sinnlich, denn Christine Lehmann schafft es wie keine Zweite, dass man beim Lesen mit Lisa Nerz in das merkwürdige Denksystem der Parapsychologie eintaucht und gleichzeitig das Konzept von außen kritisch hinterfragt. Und nicht einmal der Katzencontent kommt dabei zu kurz. ..." Wer wissen will, auf welche kritische Anmerkung sich das "nichtsdestrotrotz" bezieht, lese bitte die ganze Rezension hier

Schrödingers Katzen und Katzenjakob
Totensteige, der 10. Lisa-Nerz-Krimi

Montag, 11. Juni 2012

Lüge und keine Wahrheit


mit freundlicher Genehmigung von Kirsten Reimers
Frankfurter Neue Presse, 6.6.2012,
Kirsten Reimers hat in der Frankfurter Neuen Presse eine Rezension der "Totensteige" veröffentlicht, die noch nicht online zu lesen ist. Sie endet mit den Sätzen: "...wirklich faszinierend und erstaunlich ist, wie man als Leser mit Lisa Nerz in das merkwürdige Denksystem der Parapsychologen eintaucht und gleichzeitig das Konzept von außen kritisch betrachtet. Beides zusammenzubringen, schafft wohl nur Christine Lehmann.“

Sonntag, 10. Juni 2012

Von allen guten Geistern verlassen


titelt Stefan Schweizer seine Rezension von "Totensteige" im Rezensionsforum Literaturkritik.de bei C.H. Beck.
 
Schweizer fragt sich, ob Serienfiguren nicht irgendwann in Gefahr geraten, sich totzuhasseln. Er findet, bei Lisa Nerz sei das (noch) nicht der Fall und schreibt: "Abseits des Actionthrillers ist Lehmanns Totensteige eine ernstzunehmende Parabel über die Interaktion von Medien und Politik. Barzanis Vater ist nämlich einer der mächtigsten Medien-Mogule Deutschlands. Die Medien werden dabei als Spuk, Inszenierung und Manipulation dargestellt. Die Politik steht dabei den Medien hilflos gegenüber."
            Er findet Lisa Nerz reifer und ruhiger und sieht das als Kontrast zum Action-Thriller. Genau so habe ich es auch gewollt. Schweizers Schlusssatz lautet: "Einmal mehr bietet Christine Lehmann also Krimiunterhaltung vom feinsten. Totensteige fesselt von der ersten bis zur letzten Seite und wird es dem Leser kaum ermöglichen, längere Lesepausen einzurichten."

Ich danke.
Die ganze Rezension HIER

Samstag, 9. Juni 2012

Das Duell auf der Totensteige

krimiblog.de diskutiert mit Killer & Co von der Stuttgarter Zeitung in Facebook über die Frage, warum Totensteige nicht in der KrimiZeit-Bestenliste auftaucht.

krimiblog.de : Totensteige / Christine Lehmann: Ein- und Widerspruch, Prostest sowieso. Behäbig? Wir haben wieder unterschiedliche Romane gelesen. „Totensteige“ ist rasant erzählt, auch im Vergleich zu den Vorgängerromanen mit der werten Lisa Nerz. 
     Wunderbar: Es ist nicht Action um der Action willen, sondern Frau Lehmann schafft es, mindestens eine zweite Leseebene dem Leser zu offerieren. Ich kann den Text als schnell geschnittenes Action-Spektakel lesen und viel Freude damit haben. Ich kann ihn aber genauso auch als ironisch gebrochenes Spiel mit genau diesem Action- und Polit-Thriller-Genre lesen, bei dem dessen Mechanismen deutlich werden, ohne sie vorzuführen. Ein wundervolles Wechselbalg ist dieser Roman, der mühelos beim Lesen zwischen Hommage und Parodie wandelt und schwebt, der Hauptfigur entsprechend.
     Aber noch mehr: Die imaginative Kraft einer Christine Lehmann ist strahlender denn je. Als kürzlich Francois Hollande zum Antrittsbesuch bei Frau Merkel abhob und sein Flugzeug vom Blitz getroffen wurde, blitzte in meinem Kopf kurz eine lächelnde Lisa auf. Als der Virus „Flame“ die mediale Runde machte, war der – im Roman sterbende – Computerhacker in meinem Kopf, Obama ohnehin.
     Lehmanns Text schafft etwas, was nur wenige Texte schaffen: Er spinnt sich in meinem Leben fort. Die kritischen Töne zu Medienhype, Hysterie und falschem Zauber wirken nach. Nein, „Totensteige“ ist nicht behäbig – auch nicht im Kontext der Serie – der Roman ist klug komponiert, exakt getaktet und eine glaubhafte Weiterentwicklung der Figur Lisa Nerz. Das ausgerechnet diese Figur, die ja auch außerhalb ihrer Bücher bei Facebook und im Blog exisitert, an diesen, von Ihnen beschriebenen Listen-Regularien, scheitert, spricht nicht für die Machart der Liste.
      Herzlichste Freitagsgrüße
vor 23 Stunden · Gefällt mir nicht mehr · 2

Killer & Co.: Lieber Ludger Menke, ich will "Totensteige" keinesfalls schlecht reden. Ich habe den Roman gern gelesen, habe ihn ungezwungen positiv besprochen, empfehle ihn auch gern persönlich und fände es keinen Schnitzer, wenn er auf der Liste stünde.
Ich überlege nur, wie es kommt, dass er dort nicht steht. Ob es dafür eine andere Erklärung als die simple gibt: keiner aus der Jurorenschar mag das Buch
Aber ich tue mich - zumindest als Juror - immer ein wenig schwer mit den vielen Serien. Soll man die durchvoten, Band 4 und Band 5 für die Liste empfehlen, wo man doch schon Band 3 so toll fand? Dann wäre die Bestenliste schnell sehr monoton.
Vorm Weglassen nach dem Motto pars pro toto - alle paar Bände mal wieder einen stellvertretend empfehlen - schrecke ich dann aber auch zurück, weil's willkürlich wirkt, gar wie ein Tadel beim jeweils nicht getippten Band. Ich vermute, ich bin nicht der einzige Juror, dem's so geht.
In dieser Situation bin ich dann froh, wenn mir ein bestimmter Band einer Serie einen klaren Grund liefert, warum ich ihn diesmal nicht in meine Top-4 nehme. Im Zusammenhang der Serie habe ich für „Totensteige“ viel Sympathie. Mir ist es einerseits viel lieber, dass Christine Lehmann diese Entwicklungen und Experimente wagt. Lieber, als dass sie noch ein flottes, kompaktes, wortwitzknisterndes, konfrontationsbewusstes Meisterstückchen liefert, das mit dem vorvorigen flotten, kompakten etc. Meisterstückchen austausch- und verwechselbar wäre.
Der Preis, den sie in meinen Leseaugen dafür bezahlt ist aber, dass „Totensteige“ ein wenig unrunder läuft, gewachsene Probleme des Weltentwurfs (für mich vor allem: das Erklärbärhafte des Staatsanwalts und dessen komfortable Zugangsbeschaffungsfunktion) deutlicher hervor treten lässt, dass Rationalität und Grand Guignol (noch) nicht ganz zusammengehen, etc. Sie haben das Buch offensichtlich anders erlebt. Wie gesagt, das sind alles Kleinigkeiten. Wäre das der erste Krimi Christine Lehmanns, oder der erste , der sich aus einer bis dato bieder-konventionellen Serie herausgelöst hätte , wäre ich wahrscheinlich haltlos begeistert. So aber, s.o., ordne ich den bei mir eher auf Platz 5 oder 6 der Bestenliste ein, mit dem gestern schon geschilderten Ergebnis.
Jeder mögliche Abstimmungsmodus hat seine eigenen blinden Flecke und toten Winkel. Ich glaube nicht, dass die Liste dadurch völlig absurd wird. Aber in diesem Punkt sind wir ja schon seit beinahe Listenanbeginn unterschiedlicher Meinung.
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krimiblog.de: Stellen Sie sich bitte ein freundliches Schmunzeln auf meinem Gesicht vor, lieber Thomas Klingenmaier. In Ihrer Antwort finde ich zahlreiche Argumente, weshalb „Totensteige“ auf die Liste gehört. Brüche, Experimente, Neues, Überraschung auch im zehnten Band einer Serie. Welcher Autor bekommt das schon hin? Das Unrunde – gerade bei der Figur des Staatsanwalt, mir kommt der eben in seinen Brüchen sehr bekannt vor – konnte ich in der Tat nicht entdecken.
Setze ich das alles in Bezug zur aktuellen Liste, frage ich mich schon, warum etwa eine Fred Vargas ein Dauerabo für ihre Serie hat, obwohl sie nichts Neues wagt, ästhetisch die, freilich breit gefächerten, aber altbekannten Mechanismen abspulen lässt. Ein Vargas-Buch, auch das letzte, überrascht mich nun überhaupt nicht mehr. Das es gut unterhält steht außer Frage. Noch gravierender fällt für mich auf der aktuellen Listein John Hart ins Gewicht. Das ist konventionelle Massenware. Aber ja: eine Liste ist eben nur eine Liste.
Einen sonnigen Samstag wünsche ich Ihnen


Christine Lehmann dankt für den aufschlussreichen Disput.

Freitag, 18. Mai 2012

Spuk der Medien

Warum gerade Parapsychologie? Weil es gruselig ist, und weil man nie so genau weiß, ob es wahr ist oder nicht: Wie die Literatur. Es könnte so gewesen sein, wie ich es schreibe. Oder auch nicht oder nur ein bisschen anders oder ganz anders.  Wer weiß schon, was wahr ist. Und vielleicht kommt es darauf nicht an.

Michaela Grom fragt Christine Lehmann zum neuen Krimi Totensteige.

Das Interview in SWR 4 Kultur,
Sonntag den 13. Mai 2012

Mittwoch, 2. Mai 2012

Ein Groschenkrimi namens Wirklichkeit

Rezension der Totensteige von Dieter Paul Rudolph:

"Jetzt sind wir dort, wo uns Lehmann haben will: In einem furchtbaren Groschenkrimi namens Wirklichkeit, siehe Finanzkrise, siehe Euro, siehe den ganzen Rest, den wir nicht verstehen, also aber glauben."

Das schreibt Dieter Paul Rudolph in Watching the detectives und analysiert die Struktur des 10. Lisa-Nerz-Krimis Totensteige als augenzwinkerndes Spiel mit Versatzstücken aus Krimi und Thriller und deren Überhöhung ins Groteske, das dadurch um so mehr Wirklichkeit vorführt.

"Vorweg: Das ist kein Roman über die Finanzkrise, das Eurorettungskarussell oder einen zu lockeren Bundespräsidenten, der waidgerecht zur Strecke gebracht wird. Und weil er das nicht ist, ist er genau das: Ein Roman über den Mechanismus, der solchen Dingen innewohnt, sie antreibt, manchmal erst erschafft. Sagen wir also: Christine Lehmanns "Totensteige" ist ein fundamentaler Roman, in einigem sogar ein fundamentalistischer, der keine literarische Ideologie neben der kriminalliterarischen duldet. Und diese Ideologie zugleich gnadenlos vorführt. 537 Seiten lang."

Die ganze Kritik in Watching the detectives

Christine Lehmann sagt dazu: "Nur um solche Texte lesen zu dürfen, lohnt es sich, Krimis zu schreiben. Danke, Dieter Paul Rudolph." 

Montag, 30. April 2012

Leserinnenbrief

Liebe Frau Lehmann,
jedes mal, wenn ich einen Lisa-Nerz-Roman (für mich sind es mehr als Krimis und schon dreimal mehr als Stuttgart Krimis) fertig gelesen habe, denke ich: Das war jetzt der beste. 
So auch bei der Totensteige

Neben ihrem ganz eigenen Schreibstil beeindrucken mich vor allem Ihre profunden Kenntnisse in so vielen Themen und wie Sie diese Themen miteinander verweben. 

Auch ist es schön, dass Sie uns Figuren schenken, die nicht in die üblichen Frau/Mann-Schubladen gesteckt werden können. Das ist selten, dafür aber umso anregender.
Kurz gesagt: Ihre Bücher zu lesen, ist einfach ein Vergnügen!
Ich freue mich auf weitere.

Herzliche Grüße
X.Y. (Absenderin von mir anonymisiert)

Freitag, 27. April 2012

Tempo

Dore Sanner hat Totensteige in der Bücherecke besprochen.

"Dieser Krimi stellt mit seinem Tempo alles in den Schatten, was Christine Lehmann je geschrieben hat. Und eine feine Ironie darf auch nicht fehlen. Alle Skeptiker der übersinnlichen Szene kommen voll auf ihre Kosten."

Die ganze Besprechung von Dore Sanner:
frauenseiten bremen

Dienstag, 24. April 2012

Das Ende des furiosen Thrillers tröstet

"Heute mal mit einer Betrachtung zu Christine Lehmanns neuestem Buch Totensteige, das nicht nur wegen seines kolossalen Umfangs ein anhaltendes Nachdenken und Vergnügen bereitet." So beginnt die Krimilady  Henny Hidden ihre fulminante Rezension. 

"Wer sich sofort umdreht und ausspeit, wenn er von Parapsychologie und dem ganzen Spuk hört, wird nie das Herzklopfen spüren, wenn sich Tische heben und sich Verblichene aus dem Totenreich melden. Er wird nie an seiner Geisteskraft zweifeln und wird es nie bereuen. Dabei kann eine Grenze zu überschreiten durchaus Vergnügen bereiten. Ohne Opferbereitschaft keine Grenzerfahrung." (...)
"Gemäß dem italienischen Filmtitel „Knallt das Monster auf die Titelseite“ müssen Nerz und Weber ohnmächtig erdulden, dass sie zu Getriebenen werden, die ihre Entscheidungsfähigkeit einbüßen. Von außen als German Angst klassifiziert, von innen als ausgeprägtes Sicherheitsdenken beschworen, eint sich ein Volk bei der Teufelsaustreibung. Ein Volk, das sich gerne auf seinen Couchen fläzt, und sich nebenbei gesagt intellektuell am meisten bei Whodunnit Krimis herausgefordert fühlt, will die Wirklichkeit weder mit unwägbaren Konflikten noch mit unwägbaren Gespenstern ertragen. Sollen es doch die Politiker richten. Und sie richten es auch. (Dass den politischen Zauberlehrlingen jedoch bei ihrer Götzenanbetung kein irdischer Meister helfen kann, steht auf einem anderen Blatt.) Im Roman wird es ein Weltlenkungsausschuss sein, der die aufkeimende Angst der Politiker vor dem Aufstand der Massen mindern soll, indem er so tut, als ob er etwas tut."  

Henny Hiddens Fazit: 
"Christine Lehmanns Krimi ist ein Mammutbuch mit starken thrillermäßigen Elementen, das sich durchaus für eine Verfilmung anbietet. An der Autorin gefällt mir ihre unbändige Lust am Fabulieren, ich bewundere, wie sie eine wendungsstarke Handlung mit intellektuellen Fragestellungen zu verzahnen versteht, und immer wieder begeistert sie mich mit ihren detailverliebt ausgemalten Szenen."
Henny Hidden, Die Krimilady

Dienstag, 17. April 2012

Sackzement

Dietmar Jacobsen hat die Totensteige gelesen und im Titel-Magazin  schöne Worte gefunden für »Same-Gender-Eskapaden« und granatendeppendummes Fremdgehen - für Lisa Nerz eben. 
Jacobsen findet, dass sich Totensteige mit seinen neun Vorgängern nicht so ohne weiteres vergleichen lässt, auch weil dies der dickste Krimis ist, seitenzahlenmäßig. 


"Totensteige ist das zehnte Abenteuer der in jeder Beziehung eigenwilligen Lisa Nerz. Ein schwedischer Autor würde die Serie jetzt beenden – Punktum. Bei Christine Lehmann hingegen sieht es mehr nach einem Neuanfang aus. Warten wir ab, ob die Zeichen nicht trügen. Leicht hat es sich die Autorin mit einem Roman, in dem Angela Merkel und Barack Obama, Sarkozy und Berlusconi und am Ende gar der Papst und ein liebreizendes Damentrio vom Hamburger Argument-Verlag leibhaftig auftreten, wahrlich nicht gemacht. Vielleicht ist er ihr auch ein paar Seiten zu lang geraten. Die Latte für Abenteuer Nummer 11 liegt ab sofort jedenfalls weltrekordverdächtig hoch. Doch vielleicht läuft Lisa Nerz ja einfach cool drunter durch – Sackzement, es wäre ihr zuzutrauen!"
die ganze Rezension im Titel-Magazin HIER

Mittwoch, 28. März 2012

Kriminetz fragt Christine Lehmann


Kriminetz:
 In „Totensteige“ geraten Lisa und ihr Lebensabschnittsirrtum Richard Weber in die Welt der Parapsychologie. Wie bist du auf dieses Thema aufmerksam geworden und hast du im Rahmen deiner Recherche zu „Totensteige“ an einer „Geistersitzung“ teilgenommen?

Lehmann: Das Thema lag in der Luft. Es ist mir einfach eingefallen. Ich habe aber seit meiner Kindheit Beziehung dazu. Beispielsweise kannte ich Hans Bender, den damaligen Leiter des Freiburger Instituts für Parapsychologie. Meine Eltern haben zum Spaß Tischrücken veranstaltet. Mir war aber damals schon klar, dass dabei nicht ein Geist zu uns spricht, sondern dass wir die Antworten mit unbewussten Muskelbewegungen in einem sich selbst organisierenden System selbst produzieren. Und im Krimi „Totensteige“ geht es eigentlich um das Ringen von Rationalität und irrationalen Ängsten, mit denen die Medien ihre Geschäfte betreiben, wobei sie – und das sehe ich als reale Gefahr – unsere eigentlich aufgeklärten westlichen Gesellschaften an den Abgrund treiben. Es ist eben wie ein Spuk.
Das ganze Interview geführt von Claudia Schmid.